Tierheim-Finanzierung muss neu verhandelt werden
Deutlich gestiegene Tierarztkosten, höhere Löhne, Energiekosten und notwendige Investitionen setzen das Tierheim zunehmend unter finanziellen Druck. Bei einem Gespräch vor Ort informierten sich Thies Fischer und Axel Homfeldt bei Jürgen Kunz, dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, über die aktuelle Situation und die Finanzierung der Fundtierbetreuung.

Die bisherige Regelung stammt in ihren Grundzügen aus den 1980er-Jahren und ist aus Sicht des Tierschutzvereins nicht mehr zeitgemäß. Die beteiligten Städte und Gemeinden tragen die Kosten entsprechend der Zahl der Fundtiere aus ihrem Gebiet. Beim Bau des Katzenhauses 2014 wurde zwar der Abrechnungsmechanismus angepasst, ein grundsätzlich neuer schriftlicher Vertrag aber nicht geschlossen. Wie groß die Dimension inzwischen ist, zeigt die Abrechnung für 2024: Insgesamt werden 1.442 Fundtiere zugrunde gelegt. Der von den Vertragspartnern zu deckende Aufwand beträgt rund 895.000 Euro. Auf Schortens entfallen bei 99 Fundtieren rund 61.500 Euro.
Besonders stark gestiegen sind die Tierarztkosten. Nach Angaben von Kunz lagen sie vor wenigen Jahren noch bei rund 100.000 Euro, inzwischen sind es etwa 300.000 Euro jährlich. Gleichzeitig würden immer häufiger Tiere in sehr schlechtem gesundheitlichen Zustand aufgenommen.
Hinzu kommt ein zeitlicher Versatz bei der Abrechnung. Kostensteigerungen schlagen erst deutlich später auf die Zahlungen der Kommunen durch. Das Tierheim muss deshalb zunächst in Vorleistung gehen.
„Wenn sich Tierarztkosten innerhalb weniger Jahre verdreifachen und gleichzeitig Löhne, Energie und Investitionen teurer werden, müssen wir über die bisherige Finanzierung sprechen“, sagt Axel Homfeldt. „Das Tierheim übernimmt für unsere Kommunen eine wichtige Aufgabe. Dafür braucht es eine faire und verlässliche Grundlage.“
Dabei müsse auch gesehen werden, welche Kosten ohne das Tierheim entstehen würden. Städte und Gemeinden müssen die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren sicherstellen. Gäbe es das Tierheim in Wilhelmshaven nicht, müssten sie dafür selbst eine andere Lösung schaffen.
Thies Fischer betont: „Man darf nicht nur auf die Rechnung des Tierheims schauen. Ein eigenes Tierheim nach heutigen rechtlichen und baulichen Vorgaben würde Millionen kosten. Dazu kämen dauerhaft hohe Ausgaben für Personal, Tierärzte, Energie und Unterhaltung. Eine gemeinsame Lösung ist deshalb auch wirtschaftlich vernünftig.“
Von 2016 bis 2020 waren die kommunalen Zahlungen zunächst gesunken, größere Investitionen wurden weitgehend zurückgestellt. Inzwischen seien notwendige Maßnahmen jedoch nicht mehr aufzuschieben. Unterstützung könnte vom Land kommen. Insgesamt sollen 20 Millionen Euro für Investitionen in Tierheime bereitgestellt werden. Die konkrete Förderrichtlinie steht noch aus. Für Fischer und Homfeldt ist aber klar: Investitionsförderung allein reicht nicht. „Dass das Land Geld bereitstellen will, ist ein wichtiges Signal“, sagt Fischer. „Jetzt brauchen die Tierheime schnell Klarheit. Gleichzeitig müssen wir auch die laufenden Kosten dauerhaft regeln.“
Das Tierheim nimmt bislang grundsätzlich Fundtiere aus den beteiligten Kommunen auf. Hinzu kommen Tiere von Privatpersonen. Ohne notwendige Investitionen und eine verlässliche Finanzierung könnte künftig allerdings darüber gesprochen werden müssen, Aufnahmen zu begrenzen.
Jürgen Kunz will als Vorsitzender des Tierschutzvereins nun die beteiligten Kommunen zu Gesprächen einladen. „Das darf kein Gegeneinander der Städte und Gemeinden werden“, sagt Homfeldt. „Alle profitieren von einem leistungsfähigen Tierheim. Deshalb sollten wir gemeinsam eine tragfähige Vereinbarung für die kommenden Jahre finden.“



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